aus langen Riemen bis zu raffinierten ornamentalen Tafelparketten in noblen Innenräumen – der Vielfalt an Legearten sind keine Grenzen gesetzt. Mit dem Klötzliparkett fand der industriell genutzte Lamellenparkett in den 1960er und 70er Jahren – pflegeleicht, unverwüstlich, 12 mal 12 Zentimeter – Eingang in die Schweizer Neubauwohnstuben und erlebt in der Gegenwart nach Jahrzehnten der Schmähung ein verdientes Revival.
Werner Widmer legt dem Klötzliparkett in seinen klugen künstlerischen Interventionen eine vielschichtige verfremdende Hommage: Er verwandelt ihn in seiner Substanz (Haselnussgebäck statt Eiche), schickt ihn auf Wanderschaft (in Einzelteilen zur ad hoc Fügung), verschafft ihm kurzzeitige sinnhafte Auftritte (meist ohne Publikum – fotografisch festgehalten), findet hierfür Örtlichkeiten spezifischer Ausprägung (draussen, drinnen und dazwischen) und spielt mit diversen kulturellen Bezügen (Sakrales liegt nah) sowie nach gusto mit variierenden Deutungen (Bretter, die die Welt bedeuten, und nichts währt ewig).
So überraschend wie bestechend ist Werner Widmers Materialwahl ‘Totenbeinli’: Die ursprünglich aus Graubünden stammenden Haselnussstängelchen mit der Engadiner Bezeichnung 'Oss da mort' wurden traditionell beim Totenmahl zum Kaffee gereicht. Ihre Trockenheit ist Garant für ihre lange Haltbarkeit – diese Eigenschaft und ihr Einbezug in die Erinnerungskultur post mortem lässt den Bogen schlagen zur jahrhundertealten Tradition der Beinhäuser, Ossarien, von welchem in ganz Europa eindrückliche Beispiele erhalten sind.
So ist es kein Zufall, dass Werner Widmer für seine Parkett-Gastspiele Stätten wählt, die mittelbar vom Hier und Jetzt in andere Sphären weisen: in Kirchen und Kapellen, Zu Füssen von Bildstöcken und Wegkreuzen, auf Podesten vor Altaren, im Vorraum zur kostbaren Rokoko-Kapelle in der Kartause Ittingen liegen, vom Künstler choreographiert, die knusprigen Mosaik-Parkette, bevor sie nach kurzem Verweilen ‘weiterbeineln’. Gabrielle Obrist